Für die meisten Menschen haben Medaillen nur zwei Seiten. Diese Meinung ist so weit verbreitet, dass sie sprichwörtlich geworden ist. Dass es da noch etwas Drittes gibt, sehen die wenigsten: den Rand. Den schmalen Grat, auf dem eine Münze meterweit rollen, einen kompletten Raum durchqueren kann. Wenn sie die Balance hält. Sobald man sich für eine Seite entschieden hat, bleibt man liegen: Stillstand.Es ist mein Bestreben, die Dinge in ihrer Komplexität zu sehen und wiederzugeben. Sachverhalten Seiten abzugewinnen, die andere nicht sehen. Scheinbar Bekanntes in neue Lichte zu rücken. Vor allem mit Mitteln der Sprache. Ich bin ein Wortspieler, Worterfinder, Wortehinterfrager. Ich habe eine humoristische und eine ernste Seite, eine verspielte und eine existentialistische. In Wahrheit sind das aber keine getrennten Seiten. All das kreist in mir, und mal findet es einen ernsteren, meist einen heitereren Ausdruck. Ich kann in der Sache unerbittlich sein (wenn es mir wichtig ist), im Herzen bin ich immer wohlwollend.Mein wesentlichster Charakterzug: Unkonventionalität. Gewohnte, eingefahrene Bahnen verlassen. Auch die eigenen. Auch wenn sie gut funktionieren. Nach einer Weile muss man etwas Neues wagen.Ich gehe mit wachen Sinnen durchs Leben. Ständig entdecke ich Schönes und Interessantes. Vieles regt mich zu Sprach- und Wortspielen oder Geschichtchen à la Postillon an. Oder zu skurrilen virtuellen Erfindungen. Zum Beispiel ein Nachsichtgerät (damit man sich nicht immer über andere aufregt); ein Restmilchverstärker (lebensrettend, wenn morgens nur noch ein Rest Milch da ist); und ein Telefön (telefonieren und gleichzeitig die Haare fönen mit nur einem Gerät!).Vor allem aber bin ich ein leidenschaftlicher Sprachspieler. Der gerade seinen eigenen kleinen Verlag gründet. Im September/Oktober 2025 erscheint mein erstes Buch – »Örterwörter«. Ein herrlich verrücktes Werk, in dem ich zu allem Möglichen, wofür wir keine Bezeichnungen haben, Namen finde. Der Clou: Es müssen Ortsnamen sein.Warum gerade Ortsnamen?Kurze Antwort: Weil es auf der Welt ganz herrliche (sonderbare oder kuriose oder poetische) Orts- und Städtenamen gibt. Die schöner und skurriler sind als alles, was man sich ausdenken könnte.Lange Antwort: Das hat sich so ergeben (nachzulesen auf der Website zum Buch unter »Entstehung«, siehe https://naamijoki.de/entstehung/).Das ist nur eines von über einem Dutzend wort- und sprachspielerischer Projekte, für die ich beständig Material sammle. Und die in den nächsten Jahren das Licht von Displays, Monitoren und Buchseiten erblicken werden.